Back to the roots: Johannes Bockemühl-Simon von JOBO im Interview rund um das Thema Analogphotografie

„Keine „Virtual Reality“ – keine „Augmented Reality“ – sondern echte Photographie“, so beschreibt Johannes Bockemühl-Siomon die analoge Photografie. Der Geschäftsführer von JOBO, die einst die ersten Mondbilder der NASA auf ihre Echtheit entwickelten, erzählt in unserem Interview, was ihn so sehr an der analogen Photografie fasziniert. Die Produkte von Jobo sind weltweit in fast jedem Photolabor zu finden.

Die Wurzeln der Photografie: analoge Photografie erfordert Zeit und Passion

PA1: Hallo Herr Bockemühl-Simon, stellen Sie ihr Unternehmen doch kurz für unsere Leser vor!

Johannes Bockemühl-Simon: JOBO: Wir lieben Bilder. Bis zum Mond und zurück.

Qualität, Engagement und Professionalität haben uns an die Spitze der Photographiewelt gebracht. Die Motivation, uns für das beste Bild immer wieder selbst herauszufordern, bis auf den Mond. Wir schreiben das Jahr 1969. Die Menschheit sollte in diesem Jahr den bedeutendsten Schritte ins Weltall machen: Den ersten bemannten Flug zum Mond. Apollo 11. Das alles wurde photographisch festgehalten – mit einer Hasselblad. Aber die Kamera bannt nur alles auf kostbarem Analogfilm – mit einer Silberhalogenid Beschichtung. Auf dem Mond entstand nur das „latente Bild“. Noch war nichts bewiesen. Das Negativ noch unentwickelt.

Alles aber hängt in der Photographie (und in der materialistischen Perspektive) von dem „sichtbaren Bild“ ab. Das „echte Bild“ musste her. Wem konnte man die Verwandlung dieses historischen Beweises besser anvertrauen als der Entwicklungsausrüstung von JOBO? Ja, Sie haben richtig gehört:

Echtheitsbeweis des ersten Mondbildes der NASA durch JOBO

Durch den Einsatz des Photo-Equipments von JOBO aus Gummersbach, bei Köln, aus West Germany – wurde aus dem latenten Bild das sichtbare Bild. Der sichtbare BEWEIS. Ein doppelter Beweis. Der Mensch in seinem Streben nach Unendlichkeit gelangt tatsächlich nun zum ersten mal bis zum Mond. Zugleich ist dies aber auch durchaus ein BEWEIS mit politischer Botschaft: Der freie Mensch mit entfesseltem Eifer und schier grenzenlosen wirtschaftlichen Möglichkeiten (der „Westen“) kommt bis zum Mond.

Aber nicht nur der Westen, sondern lediglich ZUERST der Westen. Denn der Mond sollte weder für die Menschheit, noch für den kleinen Photohersteller aus Gummersbach (JOBO) an Bedeutung verlieren. Der OSTEN stellte mit der MIR später seine eigenen Standards. Die MIR barg in sich ein komplettes Photolabor mit – ja, Sie werden es schon ahnen, genau (!) – mit JOBO Entwicklungsgeräten für die Photos vom Weltall!

Tja, also eigentlich müssten wir sagen: Wir lieben Bilder. Bis zum Mond und zurück!

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PA1: Was genau fasziniert Sie an der analogen Photografie im Gegensatz zur digitalen Photografie?

Johannes Bockemühl-Simon: Der authentischste Weg, die Kunst der Photographie zu erlernen und wertzuschätzen, ist die ANALOGE Photographie. Nichts kann das Erlebnis ersetzen, mit Silberhalogenidfilm zu arbeiten.

Die Faszination, einzigartige Abzüge auf Silberhalogenidpapier zu erschaffen, lässt sich nicht digital abbilden – zurück zu den Wurzeln der Photographie! Selten wird der menschliche Drang nach dem Schönen und Wahren so eng verbunden, wie in der analogen Photographie. Analog läßt sich bewußt gestalten – aber das Bild selbst ist kaum manipulierbar – ganz anders als Photoshop. Analog zu arbeiten erfordert Zeit und Passion. Wer keine Zeit hat, der muss eben knipsen.

Keine „Virtual Reality“ – keine „Augmented Reality“ – sondern echte Photographie.

PA1: Welche Themen und Produkte werden auf Ihrer Internetseite angeboten?

Johannes Bockemühl-Simon: In erster Linie bieten wir bei JOBO analoges Photozubehör für die eigene Filmentwicklung. Ebenso führen wir seit neuestem die wunderschönen Fachkameras von CHAMONIX im Sortiment: Kameras aus Teakholz und Carbon: New Technology for old school.

Für den Digitalphotographen mit Anspruch bieten wir auch ein einzigartiges Perspektivkorrektursystem : LensTRUE.

PA1: Wie genau funktioniert das LensTRUE System?

Johannes Bockemühl-Simon: Zum einen besteht das LensTRUE System aus einer Hardware, welche die Neigung der Kamera bei der Aufnahme mit einem hochentwickelten GYRO-sensor misst. Des Weiteren besteht das LensTRUE System aus einer Software, welche diese Neigungsdaten mit den Photos synchronisiert und dann eine automatische Perspektivkorrektur berechnet.

Dies war für DSLR Kameras bislang fast nur mit Shift-Objektiven möglich. Im Grunde verwandelt LensTRUE jedes Objektiv in ein Shift-Objektiv. Aktuell sind fast alle Vollformat-DSLRS in der Software hinterlegt. Momentan nur Mac-kompatibel. Apfel vor Fenster ;-).

Vorher – Nachher Bilder mit LensTRUE

Das originale Bild ohne Bearbeitung

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Nach der Bearbeitung mit der LensTRUE Software sieht das Ganze so aus.. eine tolle Veränderung!

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Kreatives arbeiten – analoges photografieren entschleunigt laut dem Experten

PA1: Welche Tipps für analoge Photografie können Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Johannes Bockemühl-Simon: Gönnen Sie sich Zeit. Nicht die Vielzahl der Bilder entscheidet, sondern das bewußte Arbeiten. Die Reduktion auf die Form und die Schattierung von Schwarz weiß hat seinen besonderen Reiz bei grobkörnigem Film. Großartig für Portraits.

Eigene Vergrößerungen sind von schwarz/weiß unkompliziert und führen schnell zu guten Ergebnissen. Kreatives arbeiten, das entschleunigt.

PA1: Wodurch lassen Sie sich inspirieren, wer ist für Sie ein „Vorbild“?

Johannes Bockemühl-Simon: Mein Lieblingskünstler ist Michel Angelo – auch wenn das noch vor der Photographie ist. Realismus und Ausdruck wurden vor ihm nie so vereint. Er ging der Natur wortwörtlich auf den Grund. Handwerklich und Künstlerisch auf höchstem Niveau sind die Photoarbeiten von John Sexton – ein Landschafts- photograph aus Amerika, der noch bei Ansel Adams gelernt hat.

PA1: Wie heben Sie sich von der Konkurrenz ab?

Johannes Bockemühl-Simon: JOBO ist der Spezialist für die Laborentwicklung und die Dunkelkammer. In den Prozessoren von JOBO steckt Jahrzehnte lange Erfahrung von Ingenieuren und Photographen. Die weltbekannte schwarz-rote JOBO-Dose findet sich von China bis USA in fast jedem Photolabor.

Wer 8×10“ Aufnahmen von seiner Fachkamera selber entwickeln will kommt an den Expert Drums von JOBO kaum vorbei. Leider ist der analoge Photomarkt eine kleine Nische – aber sie ist am wachsen. Paradoxerweise ist die Nachfrage nach Analogphotographie nicht nur in den Galerien sondern auch bei jungen Leuten wieder mehr gefragt.

In der digitalen Beliebigkeit hebt sich ein analoges Original einfach ab.

Erfahrt hier mehr über Jobo und das LensTRUE System: 

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Wir danken Johannes Bockemühl-Simon für das interessante Interview und wünschen JOBO weiterhin viel Erfolg!