Tipps für einen Fotografie Blog – Einzigartigkeit, Nischen und Erfahrung – Das Interview mit Peter Sennhauser

Einen eigenen Blog betreiben, davon träumen viele Fotografen. Doch wie kann man den Traum verwirklichen und wie schafft man es, dass viele interessierte Besucher die Seite verfolgen. Der Betreiber der erfolgreichen Blog- und Forenseite fokussiert.com hat uns in einem Interview erzählt, worauf es ankommt. Peter Sennhauser hat langjährige Online- und Journalistenerfahrung und arbeitete sogar mit dem Silicon Valley zusammen. Eine interessante Person, von der ihr einiges Lernen könnt….

PA1: Hallo Herr Sennhauser, worum geht es auf ihrer Blogseite genau, haben Sie ein bestimmtes Thema im Fokus?

Peter Sennhauser: fokussiert.com ist eine Plattform, die der Wortlosigkeit in der Beurteilung von Fotografien entgegentreten soll: Neben Tipps und Hinweisen auf Techniken, Ausrüstung und Ausstellungen gibt es vor allem fast täglich eine konkrete Bildbesprechung durch einen versierten Amateur- oder einen Profifotografen. Dabei wird eine Fotografie eines Lesers oder einer Leserin nach den grundlegenden Regeln der Technik und der Komposition analysiert und besprochen, es werden Tipps gegeben, wie das Bild noch besser hätte gemacht werden können – und als wesentlicher Teil werden diese Feststellungen im Idealfall vom Publikum in den Kommentaren erweitert und diskutiert. Wir verstehen uns als fotografisches Seminar für Fotografinnen aller Stufen, deshalb wird auch nicht jeden Tag ein „super tolles“, sondern bisweilen ein eher durchschnittliches Bild besprochen, das aber gute Hinweise auf Methoden erlaubt, wie man es besser machen könnte.

PA1: Wie sind Sie zum Bloggen gekommen und welche Erfahrungen bringen Sie mit?

Peter Sennhauser: Ich bin von Haus aus Journalist und seit Ende der 80er Jahre online. Mit dem Medium des Blogs, also einer persönlich gefärbten Online-Publikation, habe ich mich als Technologie-Korrespondent im Silicon Valley ab 2006 auseinandergesetzt, als ich Teilhaber und Chefredaktor des Zürcher Startups Blogwerk wurde. Diese Firma hatte sich zum Ziel gesetzt, mit Publikationen in vertikalen Nischen ein Online-Verlagswerk aufzubauen. Das hat mit den ersten paar Blogs sehr gut funktioniert, weil wir zu den ersten gehörten, die das Medium ernst nahmen. Blogs Wie „Neuerdings.com“, „Medienlese.com“ und eben „Fokussiert.com“ erreichten rasch monatliche Pageimpressions in Millionenhöhe.

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PA1: Wie haben Sie es geschafft, dass fokussiert.com zu einem erfolgreichen Blog wurde und wie viel Arbeit steckt wirklich hinter einem guten Blog?

Peter Sennhauser: Zu einem erfolgreichen Blog gehört ein gewisse Einzigartikeit, sei es in der Idee oder in der Tonalität. Wir wollten ein Fotoblog lancieren, das eine Lücke füllt, und mir als Hobbyfotografen war in den USA eine Plattform aufgefallen, auf der man Bilder hochladen konnte, die dann von anderen, häufig recht renommierten Fotografen, bewertet und mit Tipps versehen wurden. Leider mutierte diese Plattform bald zu einem reinen Ranglisten-Klickmonster. Ähnliches zeichnete sich für Fotografien auf Twitter und auf facebook, das gerade aufkam, ab: Man konnte zwar Aufmerksamkeit gewinnen mit guten Fotos, aber nützliche Rückmeldungen oder gar brauchbare Kritik als Feedback gab es nirgends. Fokussiert.com gibt jeder und jedem die Chance, eine fundierte Besprechung umsonst zu erhalten.

Darin steckt sehr viel Arbeit, wie man sich denken kann. Fokussiert.com hat in den letzten 9 Jahren (jawohl, so alt ist das Blog) über 5000 Artikel publiziert – das sind über 10 Artikel pro Woche im Durchschnitt. Wir bemühen uns noch immer, jeden Tag einen neuen Artikel veröffentlichen zu können.

PA1: Was fasziniert Sie am Thema Fotografie besonders?

Peter Sennhauser: Die Vielseitigkeit der Fotografie als Kunstform ist faszinierend, es gibt eigentlich nicht „die Fotografie“, es gibt alles von der Dokumentation bis zur Werbung bis zur Kunst, Porträt- und Kreativprozessen, bei denen der Vorgang der Fotografie selbst zum Thema wird. Und zugleich spielt sich in dieser Sparte durch die Digitalisierung ein enormer Wandel ab. Zu guter Letzt wird die Fotografie durch die Allgegenwart von Kameras (in Smartphones und preiswerten Kompaktkameras) gerade demokratisiert, mit allen Folgen, die das hat: Auch Kunstgenres werden neu erfunden, weil plötzlich viele Künstler in das Feld drängen, die nicht wie früher zuerst alles über die existierende Fotografie gelernt haben, bevor sie selber angefangen haben, sondern sie schiessen drauflos und erfinden existierende Genres neu.

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PA1: Nennen Sie 3 Tipps für unsere jungen Fotografen, wie man stets an neue Ideen kommt und seine Kreativität nicht verliert.

Peter Sennhauser: Ich halte es wertvoll, immer mal wieder eine Technik oder eine Gattung der Fotografie (wie „Mondfotografie“, oder Stadtlandschaften, oder Streetfotografie, oder statische Architekturfotografie etc) zu erforschen und für sich selber zu erschliessen. Ein weiterer wichtiger Punkt besteht darin, Effekte, die man entdeckt, weiter zu entwickeln, dran zu bleiben und zu versuchen, aus einem vermeintlichen Fehler oder einem Zufall etwas zu machen, das man bewusst einsetzen kann. Und das dritte ist: Ausstellungen besuchen, Flickr durchforsten, neue Ideen suchen und sammeln und anschauen.

PA1: Haben Sie ein „Fotografie – Vorbild“? Von wem lassen Sie sich inspirieren?

Peter Sennhauser: Bei der ersten Lokalzeitung, bei der ich gearbeitet habe, war ein Fotograf angestellt, der selbst aus dem Bild einer leerstehenden Bauparzelle mit geschickten Kompositionen aus Vordergrund und Motiv noch etwas hinkriegte, was sehenswert war. Diese Begeisterung, diese Sorgfalt und dieser Einfallsreichtum sind mein Vorbild, sie lässt sich auf mehr als nur Pressebilder anwenden. Daneben werde ich täglich von den Leserinnen und Lesern von fokussiert.com mit Ideen und spannenden Umsetzungen inspiriert. Was nicht heisst, dass ich Ansel Adams und Martin Parr nicht toll finde…

Weitere Infos zu fokussiert.com und spannenden Fotografiethemen findet ihr hier:

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Wir danken Herrn Sennhauser für das nette Interview und wünschen euch viel Spaß mit den Anregungen und Ideen für einen eigenen Fotografie-Blog.

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