Natürliche Schönheit – Bilder ohne Photoshop und Make-UP

Natürliche Schönheit kommt von innen, verheißen Lebenshelfer. Das stimmt sogar, denn sie steckt in der schillernden Welt der Modefotografie verborgen unter Kleidern, Makeup und Retuschen mit Fotoshop. Ehrliche Fotografen und mutige Nacktmodels beweisen, dass auch die Realität mit ihren asymmetrischen, körperlichen Makeln eine ganz eigene Schönheit hat, nämlich die des gelebten Selbst.

Ungeschminkte Wahrheit – wahre Schönheit als imperfekte Realität

Der Blick morgens vor dem Spiegel: Ungeschminkt, noch ein paar Kissenabdrücke auf der Wange, die Haare in allen Richtungen. Das Ritual der Morgenpflege macht mit wenigen Handgriffen aus diesem imperfekten Anblick das, was wir von uns erwarten. Die Frisur sitzt, kleine Fältchen verschwinden hinter Cremes und Makeup, der Tupfer Lebensfrische kommt vor allem bei Damen vom Rougepinsel, großzügig aufgepudert natürlich.

Es ist für viele Menschen schlichtweg ungewohnt, sich real so zu mögen, wie es nun einmal der ungeschminkten Wahrheit entspricht. Der Fremdanspruch an makellose Gesichter ist von Kindesbeinen an in unser Selbstverständnis von einer vorteilhaften Ausstrahlung eingeprägt. Fotoexperimente versuchen nun, durch Bilder ohne Photoshop und Makeup Menschen real und damit natürlich schön statt super-perfekt darzustellen. Wie sich dabei zeigt, ist das für Fotografen und Models ein gleichermaßen ungewohnter Schritt. Immerhin sollen die Models dabei nichts verhüllen, vertuschen, hinter Lichtwirkungen und feinen Tüchern verheimlichen. Der Fotograf arbeitet mit nichts als den verfügbaren Licht- und Schattenverhältnissen und setzt das Model natürlich schön in Pose, ohne spätere Nachbearbeitung.

Falsche Vorbilder und Selbstkritik

Um sich in unserer Haut wohlzufühlen, bieten uns die Medien verfälschte Beispiele der körperlichen Perfektion. Nicht erst seit Fotoshop und der Digitalisierung im TV vergleichen wir uns mit demjenigen Maßstab, der uns Parallelwelten vollkommen symmetrischer Körperproportionen vorgaukelt. Uns selbst sehen wir im Spiegel mit eben jenem verzerrten Blick. Unsere eigene Wahrheit erscheint voller Makel, da ja das optische Beispiel der Schillerwelten zeigt, wie makellos sein kann.

Natürlich führt dieser Maßstab zu einer ungerechtfertigten Selbstkritik. Dass es Millionen von Menschen gibt, die keinen Knack-Po, keine Superbrüste und keine perfekt geformten Oberschenkel besitzen, blenden wir entweder aus, oder wir verscharren die viel einfachere, weil uns ähnliche Wirklichkeit im Unterbewusstsein. Es ist daher die Aufgabe ehrlicher Fotografie, Makel so aufzunehmen, dass sie ein ehrliches Bild unserer natürlichen Schönheit wiederspiegeln. Der Modewelt wird dies nur bedingt gefallen. Denn sie lebt ja vom allgemeinen Streben nach Perfektion. Dass diese in der Realität kaum erreicht wird, es sei denn durch teure Schönheits-OPs oder eben fotografische Kaschierung, bleibt nach deren Willen besser unbeleuchtet.

Das Fotoshooting: Photoshop und Kleider

Sich nackt vor einer Kamera zu präsentieren, das empfinden vor allem Frauen wie eine Beichte. Auch der Grund für dieses Schamgefühl ist in der langen Tradition des Kaschierens begründet. Sich mit Kleidern zu bedecken bedeutete schon früh, den Körper mit all seinen Eigenheiten zu verbergen. Modisch betrachtet wurden sogar die natürlichen Kurven und Unregelmäßigkeiten unter Polstern und Rüschen verborgen. Die Zeitalter des körperlichen Versteckens sind eigentlich überwunden, suggerieren uns Medien in freizügigen Darstellungen. Dennoch verzichtet Frau (und inzwischen auch Mann) nur ungern auf Makeup, um vorteilhafter zu wirken. Ganz zu schweigen von Stoff, der die lebensbedingten körperlichen Eigenheiten blickdicht verbirgt. Aber mutige Fotografen und mutige Models zeigen in sehenswerten, ehrlichen Fotoserien, wie schön ein Körper mit seinen Makeln sein kann. Das rechte Licht, ein gewinnendes Lächeln und eine schöne Körperhaltung bilden eine künstlerische Komposition, die deutlich näher am wahren Leben ist als jede Hochglanzaufnahme in einer Fotoshop-Bearbeitung.

Durch den Mut zur natürlichen Schönheit zurück zum realen Selbstbild

Die Erfahrung, sich unbekleidet und ungeschminkt vor einer Kamera zu zeigen, beschreiben Fotomodels aus solchen Reihen als neu, aber auch als befreiend. Denn nach der neuen Sicht auf den eigenen Körper, durch einen Fotografen professionell gezeigt, ist es leichter, für sich selbst zu stehen und nicht länger dem Wahn nach makelloser Schönheit zu folgen. Es ist wünschenswert, dass die Fotografie mehr von der natürlichen Schönheit unbearbeitet über die mediale Darstellung transportieren kann. Immerhin braucht die Modewelt trotzdem nicht um ihre Märkte zu fürchten. Der Wunsch nach Perfektion ist tief in jedem Menschen verwurzelt. Deshalb bleibt die Fotografie ohne Makeup und Fotoshop ein Experiment mit der ungeschönten Realität. Den Wunsch nach Kaschieren und Perfektionieren wird sie aus den Menschen nicht verbannen.

Natürliche Schönheit muss sich nicht am Medienmaßstab perfekter Körperproportionen messen. In der Fotografie erfordert sie nur den Mut der Models, sich ungeschminkt und unbekleidet zu zeigen und das professionelle Auge des Fotografen für ein gutes Licht und die beste Pose. Auch ohne Nachbearbeitung, so beweisen derart reale Aufnahmen, ist jeder menschliche Körper auf seine ganz eigene Weise schön.