Hamburg – meine Perle! Top Fotografielocations und Tipps aus dem Fotoladen um die Ecke

„Im Kleinen gibt es ein Zurück zu den Wurzeln und zu Analog, im Großen und Ganzen geht der Trend jedoch stark zum Smartphone“, so die aktuelle Trendentwicklung nach Meinung unseres Interviewpartners Bernd Nasner. Er führt das kleine Fotografiegeschäft photohaus.de in der schönen Hansestadt Hamburg. Für uns stellt er sein Geschäft genauer vor, spricht über Veränderungen in der Fotografie und nennt seine Lieblinglocations für schöne Fotos in Hamburg. Ein Muss für alle jungen Fotografen in Hamburg und Umgebung…

Für Amateure und Profis, die gerne im kleinen Geschäft um die Ecke ihr Fotoequipment einkaufen

PA1: Stellen Sie ihre Internetseite photohaus.de kurz für unsere Leser vor!

Bernd Nasner: Momentan erneuern wir gerade unsere Internetseite und hoffen noch bis Ende des Jahres alle Inhalte der aktuellen auf die neue übertragen zu haben. Diese wird dann optisch noch attraktiver, übersichtlicher und informativer sein ohne sich im Design zu stark von der alten Seite zu unterscheiden. Außerdem passt sie sich den unterschiedlichen Medien wie Desktop, Tablet oder Smartphone besser an. Aber zur Zeit reden wir noch von der aktuellen Seite die sich bisher sehr gut bewährt hatte. Wir sind ein kleineres Unternehmen und im Kreis der Fotogeschäfte eines der überlebenden. Wir verkaufen nagelneue aber ebenso gebrauchte Fotoartikel in der Regel eher hochwertig.

Da es, wie gesagt immer weniger Fotogeschäfte gibt, ist unsere Webseite das Schaufenster zum Konsumenten. Für alles was wir auf der Seite zeigen werden wir nicht nur wahrgenommen sondern auch tatsächlich angefragt und oft genug noch aufgesucht. Was wir auf der Homepage schlecht ein- oder auspflegen fliegt uns immer öfter auch um die Ohren wenn es fehlt oder nicht stimmt. Fast unser ganzes Team ist in hohem Maße mit der Pflege der Seiten beschäftigt, nebenher sind auch noch Laden und Kunden zu betreuen.

Wir wollen in den Weiten des WWW nicht die Größten oder die Billigsten sein, das überlassen wir den „Global Playern“ oder „pfiffigen Startups“, wir wollen im kleinen regionalen und nationalen Rahmen unsere Klientel bedienen. Wichtig sind uns daher Fotografen, Amateure wie Profis, die neue Fotoartikel kaufen und dafür gebrauchte in Zahlung geben möchten. Unser Angebot an gebrauchten Sachen ist daher recht ordentlich. Natürlich verkaufen wir auch die meisten bekannten Marken und sind Vertragshändler für Nikon, Sony, Olympus, Pentax, Leica, Panasonic usw.

PA1: Wo liegt der Fokus von photohaus.de? In dem Angebot von Kameras und Zubehör, oder den Informationen rund um das Thema Fotografie?

Bernd Nasner: Natürlich liegt unser Hauptbetätigungsfeld im Verkauf. Wir sind insgesamt 7 Leute, die davon leben müssen. Von den monatlichen Festkosten könnte man sich auch jeweils ein ganz ordentliches Mittelklasse-Auto kaufen. Bei den meisten Herstellern ist nicht viel Luft zwischen Einkauf und Verkauf, wir sind schon noch auf „Nebeneinkünfte“ angewiesen. Im Wesentlichen sind das gebrauchte Sachen die wir z.T. auch per Online-Auktion verkaufen, gern aber auch im Laden, denn sonst könnten wir ihn ja schließen.

Mir ist es aber auch wichtig dass die Fotografie nicht zu kurz kommt. Ich fotografiere leidenschaftlich gern, am liebsten meine Stadt Hamburg. Wir bieten viele der Bilder auch im Laden an und verkaufen an Kanzleien, Praxen und private Haushalte, auch über Agenturen. Ich sammle auch historische Fotos und verkaufe sie . Auch dieses Geschäftsfeld ist komplizierter geworden. Ein Bild darf ja heute nicht mehr viel kosten. Wir helfen auch mit Dienstleistungen wie Großdrucken für Kunden, Bilderrestauration, Workshops und Bildbearbeitung in kleinerem Rahmen. Hier wollen wir noch aktiver werden. So haben wir verschiedene Felder auf denen wir tätig sind. Im Mittelpunkt steht bei uns jedoch immer das Bild und die Freude am Fotografieren.

Museumsfeeling durch Schmuckstücke der analogen Fotografie in dem gemütlichen Shop

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PA1: Was sind Ihre liebsten Schmuck- und Sammlerstücke im Sortiment?

Bernd Nasner: Das Fotografieren mit Digitalkameras finde ich echt faszinierend und die Ergebnisse lassen kaum Wünsche offen. Jedoch kann ich mir kaum vorstellen dass sie später tolle Sammlerstücke werden, wahrscheinlich eher Elektronikschrott wie ein Kühlschrank, nur kleiner. Wir widmen den Sammler und Liebhaberstücken daher in den letzten Jahren wieder noch mehr Aufmerksamkeit als ohnehin schon. Im Laden sind viele Vitrinen mit analogen Fotosachen dekoriert, manches davon ist gar unverkäuflich und rein aus optischen Gründen wie in einem Museum ausgestellt. Viele Kunden mögen das.

Ich könnte da jetzt keine spezielle Kamera nennen. Alles was hübsch aussieht, originell oder interessant ist, egal ob Holzkamera oder Messucher-Leica, es muss auch nicht wertvoll sein, nur liebenswert eben. Zuhaus habe ich auch eine Ecke mit Kameras die ich früher und heute immer schön gefunden habe . Diese Kameras und Objektive haben irgendwie noch eine Seele, sie brauchen keinen Strom und funktionieren meist nach Jahrzehnten noch ganz ordentlich.

PA1: Welche Tipps für die analoge Fotografie können Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Bernd Nasner: Junge Leute interessieren sich neuerdings wieder mehr für analoge Fotografie. Mal ist es die LOMO, die Holga mit der Plastiklinse oder das Sofortbild das wieder Zulauf bekommt. Aber selbst die millionenfach im Markt zu findenden Spiegelreflexkameras wie Canon F 1 oder Nikon F 3 sind nicht totzukriegen, je mehr mechanisch um so besser. Wer es sich leisten kann und/oder etwas auf sich hält nimmt eine Leica M, das ist dann aber schon wieder Liebhaberei. Ich persönlich finde es eigentlich viel spannender mit einer Zweiäugigen 6×6 oder Super Ikonta loszuziehen. Das große Format erzieht zur überlegten Fotografie und Entschleunigung. Selbst aus einer alten Voigtländer Bessa oder Agfa Isolette lässt sich Erstaunliches rausholen. Und analog ist für mich mittlerweile auch gleichbedeutend mit schwarzweiss. Das Farbbild wird es meines Erachtens bei analog auch schwerhaben schon wegen der kleiner werdenden Peripherie.

Hamburg – meine Perle! Hafen, Speicherstadt, Jungfernsteig – die schönsten Fotolocations der Hansestadt

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PA1: Die Hansestadt Hamburg hat einige tolle Fotomotive zu bieten, welche 3 Orte sind für Sie die Top Foto Locations?

Bernd Nasner: In erster Linie ist es schon der Hafen, hier auch gern die abgelegenen unbekannteren Ecken wo es noch etwas schmuddelt und nach Arbeit riecht und aussieht. Manchmal machen wir Fototörns mit einer historischen Barkasse und fotografieren dicke Pötte ganz aus der Nähe. Hier ist allein der Weg schon das Ziel. Der Blick vom Stintfang zur Blohm & Voss-Werft, das Wasserschloss in der Speicherstadt und das Panorama vom Jungfernstieg sind millionenfach durchfotografiert, sind aber wohl sowas wie Top-Locations. Was nicht heißt dass man auch diesen Motiven nicht noch eine eigene Sicht abgewinnen kann. Ich bevorzuge nach wie vor die Zeit zwischen hell und dunkel zur Motivsuche. Da leuchten die Lichter und der Himmel hat auch noch Zeichnung.

PA1: Wie stehen Sie zum Thema Nachbearbeitung von Bilder? Retuschieren, oder lieber bei dem Original bleiben?

Bernd Nasner: Meine Fotos sind so gut wie ausnahmslos nachbearbeitet. Früher hielt ich das für Quatsch, hab ich analog auch nicht gemacht. Heute ist mein Ziel dass ich das digitale Foto so hinbekomme wie ich es mir bei der Aufnahme gewünscht habe. Ich freue mich besonders wenn man nicht sehen kann dass es nachbearbeitet wurde. Aber manchmal bastele ich auch länger an einigen Motiven herum damit sie eine bestimmte Anmutung bekommen, schwarzweiß, vintage oder krachbunt übertrieben. Das Blöde an der Digitalfotografie ist allerdings dass man zu viele Bilder macht und zu viel Zeit am Computer verbringt.

Das war in Kürze mein Statement zum Photohaus und zur Fotografie. Das Thema ist sehr in Bewegung. Im Kleinen gibt es ein Zurück zu den Wurzeln und zu Analog, im Großen und Ganzen geht der Trend jedoch stark zum Smartphone. Ein weites Feld, für jeden ist etwas dabei.
Bernd Nasner von photohaus.de