Fotografieblog: Aufbau, Pflege und Thema – das Interview mit Roman Raatz

„Komprimiertes Wissen“ über die analoge Fotografie, gibt es von unserem Fotografieexperten Roman Raatz, seit Jahren ist er mit der Kamera unterwegs und hat sich entsprechendes Know How angeeignet. Auf einer seinen Internetseiten, hat er eine Art Lehrbuch für Fotografieanfänger erstellt, da Foren oft nicht weiterhelfen oder verwirrend wirken können. Sein Lieblingsthema ist und bleibt die analoge Fotografie. Wie er zum Blogger geworden ist und seinen Blog ständig auf dem aktuellsten Stand hält, erfahrt ihr hier.

Bloggen und Fotografie: Wie beginnt man mit seinem Fotografieblog?

PA1: Hallo Roman, stell deine Blogseite bitte kurz für unsere Leser vor!

Roman Raatz: Hallo, meine Seite richtet sich an alle, die sich für den „klassischen Weg“ der Fotografie interessieren, sprich: bei mir geht es um die analoge Fotografie. Ich schreibe auf analoge-fotografie.net viele Artikel für Neugierige und Anfänger, verzichte dabei jedoch auf einen gewissen „sentimentalen“ Ton, denn keinesfalls lehne ich moderne Technik ab. Mich faszinieren die alte Technik und die hochwertigen Ergebnisse, die sich damit realisieren lassen können und ich glaube, nicht wenigen wird es ebenso gehen. Meine Seite bzw. mein Blog soll eine Art „komprimiertes“ Wissen hierzu bereit stellen, damit sich Neueinsteiger in puncto analoge Fotografie gleich zurecht finden können.

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PA1: Wie bist du zum Bloggen gekommen und wie viel Zeit nimmt eine gute Blogpflege in Anspruch?

Roman Raatz: Ich hatte bereits vor über 15 Jahren erste, einfache Internetseiten erstellt. Schon früh gefiel mir der Gedanke, mit relativ wenig technischem Aufwand überall auf der Welt sozusagen präsent sein zu können. Ich betreibe mittlerweile insgesamt vier Blogs mit dem Thema Fotografie mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Heute gibt es wirklich klasse Blogsysteme, die das Veröffentlichen und das „Management“ sehr vereinfachen (im Gegensatz zu früher).

Ich gestalte auch meine eigenen, individuellen „Designs“ der Seiten und das „Programmieren“ macht mir ebenso Spaß. Weiterhin gehört zum „Bloggen“ das Beantworten von Kommentaren. Doch ich bin auch niemand, der jeden Tag Artikel veröffentlicht. Das Anfertigen eines guten, ausführlichen Beitrags mit repräsentativen Fotografien kann durchaus auch einmal einen ganzen Sonntag in Anspruch nehmen! Es ist im Grunde die selbe Arbeit, die ein Journalist macht und, das sei nicht verschwiegen, ich freue mich auch darüber, dass ich mit dem Veröffentlichen im Internet etwas Geld über Werbung verdienen kann.

PA1: Worauf liegt der Fokus deiner Blogseite?

Roman Raatz: Ich lese häufig Internetforen, in denen es um (analoge) Fotografie geht. Mir ist über die Jahre aufgefallen, dass dort bisweilen immer wieder die selben Fragen auftauchen. Ich habe auch viele Menschen in meinem Freundeskreis, die analog fotografieren und dass auch hier immer wieder die selben Probleme auftauchen. Ich dachte mir: Du schreibst jetzt einfach mal alles auf, was du dir über die letzten zehn Jahre selbst (mühsam) angelernt hast und zwar so, dass es auch Anfänger verstehen. Bis dato bin ich damit aber noch lange nicht fertig.

PA1: Was fasziniert dich so an der analogen Fotografie?

Roman Raatz: Das faszinierendste an der analogen Fotografie ist für mich zweifellos das Anfertigen von Unikaten und von „Handarbeiten“. Jede Stunde werden auf der Welt tausende von Fotografien aufs Neue gemacht und ins Internet geladen. Es wird immer schwieriger diese flüchtige „Bilderflut“ begreifen zu können.

Mittlerweile betätige ich pro Monat vielleicht nur noch 12 Mal den Auslöser einer Kamera. Nicht einmal die Hälfte dieser Negative schafft es dann in die Bildbühne meines Vergrößerers (das wichtigste Gerät im eigenen Fotolabor). Doch von diesen Bildern fertige ich dann in der kleinen Dunkelkammer Handabzüge im Format ca. Din A2 an, denen ich wirklich viel Zeit widme. Diese Fotografien besitzen dann natürlich einen sehr hohen ideellen Status und am Rande: So ein „Silbergelatineabzug“ hat natürlich innerhalb z. B. einer Galerie einen wesentlich höheren Wert als ein profaner Druck aus einer Maschine, welcher sich jederzeit auf Knopfdruck reproduzieren lässt.

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Analoge Fotografietipps vom Experten: Basics, Kosten, Technik

PA1: Welche 5 Tipps bezüglich guter Kameratechnik für analoge Bilder kannst du unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Roman Raatz:
Tipp 1: Die analoge Kamera selbst ist lediglich ein lichtdichter „Kasten“, welcher das Objektiv und den Film parallel zueinander hält. Eine solche Kamera sollte natürlich gewisse „Basics“ beherrschen (z. B. einen guten Sucher oder Lichtschacht besitzen), ist ansonsten selbst kaum relevant für eine qualitativ hochwertige Fotografie (im Gegensatz zu Digitalkameras). Viel wichtiger ist hier das Objektiv und der Film bzw. wie jener im Anschluss entwickelt- und verarbeitet wird.

Tipp 2: Fotografischer Film „liebt“ Licht und kann dieses aufnehmen wie ein Schwamm. Man sollte in einen guten Handbelichtungsmesser investieren oder zumindest keine Bange vor Überbelichtung haben: Erst, wenn tatsächlich auch die dunkelsten Motivelemente von z. B. einer Landschaft während der Belichtung an „Zeichnung“ gewinnen, ist eine gewisse „Tonalität“ realisierbar, welche eben nur durch eine genügend lange Belichtung erreicht wird. Dies ist freilich ein konservativer Anspruch und nicht wenige Fotokünstler missachten diesen bewusst und fotografieren z. B. im Stil des „Film Noir“.

Tipp 3: Was früher nur wenigen vergönnt war, ist heute selbst für Studenten realisierbar: Der Erwerb einer (gebrauchten) Mittelformatkamera. Dieses größere Format (in Bezug zur bekannten 35 mm Kleinbildkamera) belichtet den sogenannten (größeren) Rollfilm Typ 120, den es freilich weiterhin in den verschiedensten Fabrikaten zu kaufen gibt. Insbesondere wenn auf eine hohe Detailgenauigkeit bei z. B. Landschaftsfotografien Wert gelegt wird, sollte man sich nach einer solchen Mittelformatkamera umsehen.

Tipp 4: Zumindest S/W-Film sollte man selbst entwickeln. Man darf nicht denken, die Negative kommen nach dem Belichten einfach aus der Kamera. Der Film muss sich zunächst einer gewissen chemischen Prozedur unterziehen. Und dies kann man mit recht wenig Ausstattung auch zuhause im Badezimmer vornehmen. Die hierbei erreichbare Qualität wird mindestens so hoch sein wie die vom Drogeriemarkt, meistens besser.

Tipp 5: Das Nadelöhr – ist der Scanner, wenn die Filme digitalisiert werden sollen. Kosten gute analoge Kameras gebraucht teils nur noch ein Taschengeld, sind tatsächlich brauchbare Negativscanner relativ teuer. Filme kann man nur mit ganz speziellen Scannern in vernünftiger Qualität „auf den Computer bringen“. Gebraucht ist man hier ab ca. 150 Euro dabei. Ein neuer Scanner, der für Filme geeignet ist und die volle Auflösung erreicht, kostet bereits ca. 500 Euro. Dies ist schon sehr viel Geld. Für diejenigen aber, die ihre S/W-Abzüge in der eigenen Dunkelkammer entwickeln, sollte dies alles aber einerlei sein.

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PA1: Zu welchem Fotografen schaust du herauf, bzw. wer beeindruckt dich und ist für dich ein „Fotografie-Vorbild“?

Roman Raatz Ich selbst mag das Abbild des Menschen nur, wenn es innerhalb eines gewissen Milieus dargestellt wird, so wie es August Sander vor beinahe einhundert Jahren inszenierte. Überhaupt folge ich nur noch Fotografen, die sich über einen längeren Zeitraum einem ganz speziellen Thema widmen. Ich kann den Arbeiten der Absolventen der sogenannten Düsseldorfer Fotoschule viel abgewinnen, insbesondere den Fotografien von Simone Nieweg. Bei solchen Bildern geht es eher um ein Konzept, auf das man sich als Betrachter einlassen muss, als um das unbedingte Darstellen von etwas „Großartigem“ in komprimierter Form (in nur einem Bild). Ich mag in diesem Zusammenhang auch die Fotografien von Heinrich Riebesehl.

Weitere Infos über die analoge Fotografie erhaltet ihr auf der Seite von Roman Raatz

Wir danken Roman Raatz für das interessante Interview!